Prof. Dr. Pavel Kroupa


Argelander-Institut für Astronomie, Universität Bonn

Pavel Kroupa leitet die Forschungsgruppe Stellare Populationen und Dynamik an der Universität Bonn. Seine Forschungsarbeit fing Kroupa 1987 in Australien mit einer Untersuchung des erdnahsten Sterns, Proxima Centauri, an.
Kroupa ist für seine Arbeiten zur Verteilung stellarer Massen bekannt und hat in Cambridge 1990–1992 durch die Einbeziehung von Doppelsternen und detaillierter Berechnungen vom Sternenaufbau die heute allgemein benutzte kanonische IMF (Ursprüngliche Massenfunktion) hergeleitet, welche die Verteilung der Sternmassen bei deren Geburt beschreibt. Zusammen mit Carsten Weidner schlug er 2004 in Kiel die Existenz einer physikalischen maximalen Sternmasse von ungefähr 150 Sonnenmassen vor. In Heidelberg hat er 1993–1995 die ersten stellar-dynamischen Berechnungen von Sternhaufen, in denen alle Sterne als Doppelsterne geboren werden, vorgestellt und damit das Problem gelöst, dass Feldpopulationen eine deutlich niedrigere Doppelsternrate haben als Sternentstehungsgebiete. Dabei hat er die Theorie der Vor-Hauptreihen-Eigenevolution von Doppelsternen mathematisch formuliert und angewandt, die Methode der dynamischen Populationssynthese gegründet und die Existenz verbotener Doppelsterne vorhergesagt. Die Überlegung, dass Braune Zwerge und extrasolare Planetensysteme in zirkumstellaren Scheiben entstehen, wenn diese durch vorbeifliegende Sterne in jungen Sternhaufen gestört werden, schlug er in Zusammenarbeit mit Ingo Thies und Christian Theis 2003–2004 in Kiel vor.
In Kiel hat er außerdem das Konzept, dass die Sterne in Galaxien in Populationen von Sternhaufen entstehen, theoretisch formuliert. Mit diesem konnte er 2002 die beobachtete Aufheizung der Scheibe der Milchstraße erklären und mit Carsten Weidner die „IGIMF-Theorie“ formulieren. Zusammen mit Jan Pflamm-Altenburg konnte er in Bonn 2008 zeigen, dass aus der IGIMF-Theorie folgt, dass Scheibengalaxien ein radiales Sternentstehungsgesetz haben, dem zufolge die Sternentstehungsdichte proportional zur radialen Gasdichte ist. Die IGIMF-Theorie impliziert auch, dass die Sternentstehungsraten von zwergirregulären Galaxien proportional zu deren Gasmassen sind und zu deutlich höheren Werten korrigiert werden müssen. Daraus folgt zwingend die Massen-Metallizitäts-Beziehung von Galaxien.
Kroupa hat zudem in Heidelberg 1997 die erste genaue Messung der räumlichen Bewegung zweier extragalaktischer Systeme mit Ulrich Bastian vorgenommen. 1997 hat er auch stellardynamische Lösungen zu den Satellitengalaxien der Milchstraße gefunden, welche keine Dunkle-Materie-Komponente benötigen. Seine Arbeiten implizieren einen möglichen Zusammenhang der Satellitengalaxien mit dem Bulge der Milchstraße. Dieser Zusammenhang kann durch eine Kollision der frühen Milchstraße mit einer anderen jungen Galaxie erklärt werden. Seit 2010 beschäftigt sich Kroupa zunehmend mit Kosmologie. Während das kosmologische Standardmodell keine einzigartige Lösung zur Hintergrundstrahlung und der großräumigen Strukturbildung bietet, sieht er es durch die Datenlage auf 10-Mpc-Skalen und darüber als bereits falsifiziert an.
Quelle: wikipedia.de